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Unterschiede zwischen rechnerischem Bedarf und tatsächlichem Verbrauch

 (19. 4. 2016)

Was ist beim Vergleich des realen Energieverbrauchs mit den Berechnungsergebnissen des Energieausweises zu beachten und ist der Energieausweis falsch, wenn er mit dem Verbrauch nicht übereinstimmt?


Der Energieausweis weist rechnerische Ergebnisse auf Basis normierter Vorgaben aus. Bei den Vorgaben wurde darauf geachtet, dass der reale mittlere Verbrauch über eine große Anzahl von Gebäuden mit den Rechenergebnissen möglichst gut übereinstimmt. Im Zuge verschiedener Messreihen konnte gezeigt werden, dass die Ergebnisse über ein große Zahl unterschiedlicher Nutzer im Mittel mit den Rechenergebnissen gut übereinstimmt *1. Gleichzeitig haben diese Messreihen gezeigt, dass einzelne Benutzer mit einem besonders günstigen Benutzerverhalten bis zu 50% weniger verbrauchten, jene mit dem ungünstigsten Benutzerverhalten bis zu 100% mehr verbrauchten.


Ähnlich wie bei einem PKW, wo der reale Sprit-Verbrauch durch die Fahrgeschwindigkeit, die Beladung, das Gelände (etwaige Berge), und andere Einflussfaktoren bestimmt wird, kann der tatsächliche Energieverbrauch gegenüber dem rechnerischen Bedarf aus folgenden Gründen abweichen:

Faktoren, welche nicht durch den Benutzer beeinflusst werden können:

 

  • die realen Wetterbedingungen (Außentemperatur, Sonnenstunden, Schneesituation, etc.) weichen gegenüber dem verwendeten langjährigen Mitte ab. Über ein Jahr gesehen, kann dieser Umstand zu Abweichungen von ± 30% führen.

  • Mängel bei der Umsetzung und/oder Inbetriebnahme eines Gebäudes können zu erheblich höheren Verbräuchen führen. Beispielsweise: wenn das Heizsystem nicht richtig einreguliert ist oder verschiedene haustechnische Komponenten nicht korrekt arbeiten.

  • In der Regel wird bei Mehrwohnungshäusern über alle Wohnungen ein gemeinsamer Energieausweis ausgestellt. Es ist leicht verständlich, dass eine Wohnung im obersten Geschoss etwas mehr Energie zur Beheizung benötigt als eine Wohnung, bei der sich oberhalb und unterhalb ebenfalls eine beheizte Wohnungen befindet.

  • veränderndes Verhalten von Wohnungsnachbarn in Mehrwohnungshäusern kann zu einer Veränderung des Energiebedarfs in anderen Wohnungen führen. Beispielsweise, wenn die Wohnung über mir unbenutzt ist und darum nicht beheizt wird.

Wichtigste Faktoren, welche durch den Benutzer direkt beeinflusst werden:

  • die gewählte Raumtemperatur hat einen hohen Einfluss auf den Verbrauch. In älteren Gebäuden mit einem schlechten energetischen Standard werden oft nur wenige Aufenthaltsräume geheizt. Dies führt dazu, dass derartige Gebäude rechnerisch einen deutlich geringeren Energieverbrauch gegenüber dem Energieausweis ausweisen weil im Energieausweis jeder beheizbare Raum auch als beheizt zu rechnen ist.

  • In den letzten Jahren hat sich die mittlere Raumtemperatur tendenziell von 20 °C in Richtung 22 – 24°C hin entwickelt. Im Energieausweis wird derzeit noch mit einer mittleren Innenraumtemperatur von 20°C gerechnet. Dies führt besonders bei sehr guten Gebäuden zu einem messbar höheren Verbrauch der in Prozentzahlen dargestellt oft dramatisch aussieht. Absolut sind derartige Mehrverbräuche i.d.R. jedoch nicht gravierend.

  • das Lüftungsverhalten kann in Gebäuden ohne raumlufttechnische Anlage zu hohen Mehrverbräuchen führen, wenn in der Heizperiode Fenster dauerhaft gekippt bleiben.

  • leicht verständlich ist der Umstand, dass der Verbrauch an warmem Wasser stark von der Belegungsdichte, von den hygienischen Gewohnheiten (wie oft wird geduscht, gebadet, Haare gewaschen) und nicht zuletzt von wassersparenden Armaturen (Perlatoren etc.) abhängt.

  • wie beim Warmwasserwärmebedarf wird auch für den Haushaltsstrombedarf im Energieausweis ein österreichweiter Mittelwert angesetzt. Der tatsächliche Stromverbrauch im Haushalt (ohne Haustechnik) hängt jedoch von der Effizienz der eingesetzten Haushaltsgeräte bzw. der Beleuchtung sowie von der Belegungsdichte und dem individuellen Benutzerverhalten (wie viele Stunden am Tag laufen Fernseher und Stereoanlage oder andere Multimediageräte, werden ergänzende Kleinelektroöfen betrieben, etc.) ab.


Für einen fachlich fundierten Vergleich empfiehlt es sich, die Berechnung auf Grundlage des realen Benutzerverhaltens (Teilbeheizung, Belegungsdichte für den Warmwasserwärmebedarf) und den realen Randbedingungen (reale Wetterdaten der Messperiode) anzupassen.


Dies kann ins besonders für die Abschätzung der Wirtschaftlichkeit von Sanierungsmaßnahmen sinnvoll sein.

*1 Quellen: Passivhaus Institut - Publikationen & Tools - Monitoringberichte (www.passiv.de)
    - Klimaneutrale Passivhaussiedlung Hannover-Kronsberg - Messtechnische Untersuchung
    - Mehrfamilienhaus Hamburg Pinnasberg - Messtechnische Untersuchung
    - Die Energieeffizienz des Passivhaus-Standards: Messungen bestätigen die Erwartungen in der Praxis – Bericht 2015
   


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